Diskussion um Biogasanlage auf der Mülldeponie.
Wie in der WR zu lesen war, versuchte Landwirtssohn und 1. Kreisbeigeordneter Henry Thiele eine Biogasanlage - in der Nähe seines Heimatdorfes Niederhone - auf der Mülldeponie Weidenhausen, zu installieren. Stellt sich die Frage, warum bauen die Landwirte keine eigenen Biogasanlagen, wenn sich eine solche Anlage allein aus dem Verkauf des Stromes rentiert, wie Thiele in der WR verbreiten läßt. Sieht die Wahrheit anders aus? Die Mülldeponie wäre aus Sicht des Landwirtssohnes und 1. Kreisbeigeordneten ein idealer Standort, denn einmal liegt dieser Standort vor den Toren Niederhones und läßt sich bequem für einen Niederhoner Landwirt zur Belieferung mit gut bezahlter Biomasse erreichen, andererseits könnte man die Verluste und das Risiko einer solchen Anlage den Müllgebührenzahlern - über die "Deponiesickerwasser-Verdampfung" - oder dem Landkreis aufhalsen.
Aus wirtschaftlichen Gründen und aus Sicht der Steuer- und Gebührenzahler wäre eine Biogasanlage auf der Mülldeponie aber eine Katastrophe.
 Was fehlt, ist ein Abwärmekonzept für die anfallende Niedertemperatur-Abwärme eines Blockheizkraftwerkes auf der Mülldeponie. Im ersten Zeitungsbericht war nicht zu erkennen, ob ein Konzept bzgl. der Abwärmenutzung dahinter steht. Im zweiten Bericht mußte die Eindampfung des Deponie-Sickerwassers - was sich auch nicht mit Niedertemperatur-Abwärme machen läßt - , bei  der 100 000 Liter Heizöl verbraten werden, als Konzept der Abwärmenutzung herhalten. Im einem weiteren Bericht in der Wiz-Allgemeinen schweigt man wieder, ein Zeichen, dass es kein Abwärmekonzept gibt, bzw. dass der größte Teil der Abwärme über das Dach geblasen werden soll. Ohne Abwärmekonzept wäre das Ganze aber ein tot geborenes Kind.
Falls man auf der Deponie Weidenhausen tatsächlich 100 000 Liter leichtes Heizöl für die Eindampfung des Sickerwassers verbrät, sollte man das Verfahren wechseln, denn Sickerwasser kann man auch ohne diesen hohen Energiebedarf behandeln. Will man dies nicht, und soll das Deponie-Sickerwasser trotzdem eingedampf werden, (nicht mit Heizöl, sondern mit Biomasse) kann man das Heizöl mit ca. 300 Tonnen Holzhackschnitzeln, die in den umliegenden Gemeinden locker als Abfall, bzw. am Meißner als Schwachholz anfallen, substituieren. Dazu benötigt man lediglich einen vollautomatisch beschickten Festbrennstoffkessel (Heißwasser oder Dampf) mit Unterschubfeuerung, mit dem man die Wärme für die Sickerwasserverdampfung erzeugen kann. Nur ein Bruchteil der Investitionen und laufenden Kosten gegenüber einer Biogasanlage wären dann nötig.
Biogasanlagen werden in der Regel dort gebaut, wo kostenlose Abfälle (Gülle) zur Verfügung stehen.
Eine Biogasanlage im größeren Stil, incl. Blockheizkraftwerk - wo die nachwachsenden Rohstoffe extra angebaut  und bezahlt werden müssen,  kann nur in Ausnahmefällen sinnvoll sein. Wenn doch, dann nur an einem Standort, wo man auch die Abwärme ganzjährig nutzt und vernünftig bezahlt bekommt (Jühnde), denn es fallen ca. 70-80 % der teuren Energie als Niedertemperatur-Abwärme an.
Das Konzept muß sich rechnen, ohne dass der Werra-Meißner-Kreis oder die Müllgebührenzahler (über die Deponiesickerwasser-Eindampfung) das Risiko und die Kosten übernehmen müssen.

Auch die nachfolgenden Tatsachen sollten in die Diskussion mit einbezogen werden.
Der Bau und die Finanzierung einer Biogasanlage ist überhaupt kein Problem, wenn der WMK das Risiko und die abzusehenden Verluste übernimmt.
Energiekonzerne als Investoren  für Biogasanlagen würden im WMK Schlange stehen, wenn man den Investoren eine Verzinsung des Kapitals mit 8% für 28 Jahre garantiert, wie es z.B. in Berlin bei dem Verkauf der Wasserversorgung an die RWE  geschehen ist.
Dann spielt dann auch keine Rolle, dass es nur noch um eine Schamfrist für die SPD geht, bis der Bau von Atomkraftwerken wieder aktuell wird, die Laufzeiten der bestehenden Atomkraftwerke verlängert werden. Es ist doch nur noch eine Frage der Zeit, bis die Subventionierung von Strom aus Sonne, Wind und Biomasse gekippt werden muß. Strom aus deutscher Braunkohle kostet 2,5 Cent, aus Atomkraft 2,5 Cent, aus importierter Steinkohle 3 Cent, aus heimischer Steinkohle 7 Cent, aus Wasserkraft 5,5 Cent, aus Gaskraftwerken 5 Cent, aus Windkraft 9 Cent und aus Sonnenkraft 55 Cent. Diese Zahlen machen auch deutlich, dass in Zukunft die Strompreise in schwindelnde Höhen treiben, wird Windkraft, Strom aus Biogas und Sonnenenergie massiv ausgebaut.
Solange aber die Landwirte nicht auf den Brennstoff "Holzhackschnitzel" umsteigen und im Landkreis diesen Brennstoff zum Verkauf anbieten, solange kann man davon ausgehen, dass es den Landwirten und der Thiele-FDP nicht um Einkommen durch zusätzliche Arbeit -, sondern um das Abgreifen von Zuschüssen und Subventionen geht. Wie aus BSA zu hören ist, hat BGM Gundlach die Forderung der Grünen nach einer Holzhackschnitzel-Beheizung für die Therme sich zu eigen gemacht. (Was übrigens der Autor und auch Seeger Engeneering für das Hallenbad Heli schon vor 20 Jahren propagierten.) Hoffentlich ist nach der Kommunalwahl nicht wieder alles vergessen.
Wie befürchtet:
Auszug aus dem Protokoll des Umweltausschusses zum Thema Biogasanlage:
Ob der Kreis durch die Übernahme von Sicherheiten (z.B. Bürgschaften) oder durch eine Minderheitsbeteiligung das Projekt weiter unterstützen könne, müsse ebenfalls noch geprüft werden.
Herr Roth stellt klar, dass auch eine Gesamtheit von sich ggf. beteiligenden Landwirten die erforderlichen Sicherheiten für die Kreditvergabe zur Anlagenerrichtung nicht stellen könne und auf die Hilfe des Kreises angewiesen sei.
Mit anderen Worten, einige Landwirte wollen über gute Erlöse für Biomasse ihren Reibach machen, der Steuerzahler bzw. der WMK soll für das Risiko und die Verluste dieser Anlage gerade stehen.

In einer Veranstaltung de VR-Bank mit den Landwirten wurden jetzt auch Zahlen herausgelassen:
"Je nach Größe kostet eine Anlage zwischen 2550 und 3750 Euro pro Kilowattstunde - also bis etwa 2 Millionen Euro. In Deutschland haben die meisten Biogas-Anlagen eine Leistung von 250 bis 500 kW."
Vergleicht man realistische Kosten ( 2,5 Cent/kwh Kosten für Braunkohle und Atomstrom) zu einer Biogasanlage, errechnen ca. 17 Jahre (24 Std/Tag 360 Tage/Jahr Vollastbetrieb) - realistisch wären 25-30 Jahre-, bis allein die Investitionen (3750 €/kwh - wenn das reicht) für die Biogasanlage wieder eingespielt sind. Fragt sich, wovon man Betrieb und Kosten - für die von den Bauern in dieser Zeit angelieferte Biomasse -  bezahlen will, wenn nicht einmal ein tragfähiges Abwärmekonzept dahinter steht. Mit anderen Worten, ohne riesige Subventionen zugunsten der Landwirte  geht nichts. Die Landwirte bekommen gutes Geld für gelieferte Biomasse, der Stromkunde, Steuer- und  Gebührenzahler zahlt die Zeche.

Erinnern wir uns an den Ersatzbrennstoff "Trockenstabilat". Es waren die gleichen FDP-Leute, die mit Erlösen bis 100 € Tonne die Kreistagsabgeordneten geködert haben. Das Ergebnis ist bekannt, die Müllgebührenzahler subventionieren die Konzerne und ein Ende ist nicht in Sicht.

In diesem Zusammenhang möchte ich an den Bau eines Altenheimes erinnern, wo ein Eschweger FDP-Mitglied bei 4.1 Mill Bau- und Einrichtungskosten, 3.9 Mill. Fördermittel Aufbau-Ost abgegriffen hat.

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