Gut-Gemeint-Schein
Der Vermittlungsgutschein der Arbeitsagentur, eigentlich eine gute Sache. Die private Jobvermittlung, klingt eigentlich auch nicht schlecht. Schließlich soll ja alles unternommen werden, damit Arbeitslose wieder in Lohn und Brot kommen. Was aber, wenn sich das System gegen den Arbeitslosen wendet?

BAD HERSFELD (phb) – Die Gesetze des Marktes gelten auch bei der Vermittlung von Langzeitarbeitslosen. Vor allem dann, wenn es ans Bezahlen geht.
Einer zahlt immer. Und wenn’s der ist, der am wenigsten hat. So ergeht es zur Zeit Uwe Platte aus Bad Hersfeld. Platte soll insgesamt 1.151,53 Euro aus eigener Tasche für die Vermittlungstätigkeit eines privaten Arbeitsvermittlers zahlen. Und das, obwohl er aktuell wieder arbeitslos ist.
Aber zurück auf Start: Uwe Platte hatte als Langzeitarbeitsloser von der Arbeitsagentur einen Vermittlungsgutschein über 2.000 Euro erhalten. Mit diesem Gutschein in der Tasche schloss er einen Arbeitsvermittlungsvertrag mit der privaten Arbeitsvermittlung Jobconnect in Bad Hersfeld ab. In §2 (2) des Vertrages heißt es: Kommt infolge der Vermittlung durch die Vermittler/in ein Arbeitsvertrag [...] zustande, beträgt die der Vermittler/in zustehende Vergütung 2.000 Euro.
Für Platte so weit so gut. Glaubte er sich doch mit dem Vermittlungsgutschein über 2.000 Euro in der Hand auf der sicheren Seite.
Falsch gedacht
Zunächst schien sich auch alles positiv zu entwickeln. Jobconnect vermittelte Platte einen Arbeitsplatz bei der HARTMANN Marketing & Logistik GmbH in Niederaula. Und von Seiten der Arbeitsagentur schien es auch keine Schwierigkeiten zu geben. Mit Aufnahme der Beschäftigung überwies die Arbeitsagentur die ersten 1.000 Euro an Jobconnect. Die zweiten 1.000 Euro sollten überwiesen werden, wenn Platte nach sechs Monaten immer noch in Lohn und Brot gestanden hätte. Doch dem war nicht so. Am 27. Juni fing der Arbeitslose bei Hartmann an, zum 4. Oktober wurde ihm in der Probezeit gekündigt.
Und jetzt kam es knüppeldick für den wieder Erwerbslosen. Weil er weniger als sechs Monate beschäftigt war, zahlte die Arbeitsagentur die zweiten 1.000 Euro nicht an Jobconnect. Und Jobconnect wäre kein richtiges Geschäft, wenn es einfach auf 1.000 Euro verzichten würde; schließlich hat Firmenboss Oliver Schmidt ja einen unterschriebenen Vertrag. Also fordert er von Platte die ausstehenden 1.000 Euro ein. Für einen Arbeitslosen kein Pappenstiel.
Platte weigert sich zu zahlen. Er glaubt die


Die Krux mit dem Arbeitsvermittlungsgutschein: Ist der Job nicht von dauer, dann heißt es aufpassen, dass einem niemand das Geld aus der tasche zieht.
Arbeitsagentur hier in der Pflicht. Über den Restbetrag müssten sich Arbeitsagentur und Jobconnect einig werden. Doch Jobconnect pocht auf § 2 des von Platte unterschriebenen Arbeitsvermittlungsvertrages. Jobconnect erklärte sich nach Angaben Plattes bereit, aus der 1.000-Euro-Forderung 200 Euro zu machen und die Sache wäre erledigt gewesen. Aber auch dieser Forderung kam der Arbeitslose nicht nach. Statt dessen hat sich Platte einen Anwalt genommen, der prüfen will, ob der Arbeitsvermittlungsvertrag ganz oder in Teilen nicht sogar sittenwidrig ist.
Nachspiel
Doch Jobconeine private Arbeitsvermittlung beauftragte inzwischen ein in Fulda ansässiges Inkassobüro mit dem Eintreiben des Geldes.
In einem Schreiben vom 18. November teilte die Creditreform Fulda Dangmann KG Platte mit, dass sie beauftragt sei, die Forderung einzuziehen. Insgesamt soll er nun 1.151.53 Euro zahlen. Zu den 1.000 Euro Hauptforderung kommen nun noch fünf Euro an Spesen des Gläubigers, 65,33 Euro aus 12% Zinsen, 70 Euro an Gebühren und Auslagen des Inkassobüros und 11,20 Euro aus 16% Mehrwertsteuer. Quelle: Hersfelder Kreisanzeiger
Betrug mit Vermittlungsgutscheinen
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