Biogasanlage nach Wanfried.

Biogasanlagen wie die jüngst von den Kreistagsmitgliedern besuchte Anlage in Jühnte sind Sonderfälle.
Erstens steht da die anfallende Gülle (9000m³) von 700 Kühen und 1500 Schweinen zur Verfügung.
Zweitens steht ein ganzes Dorf als Abwärme-Abnehmer hinter dem Konzept.
Drittens wird die Abwärme des BHKW nur als Grundlast - die auch im Sommer abgenommen wird - eingesetzt und der Spitzen-Wärmebedarf im Winter wird über ein Heizwerk zur Hackschnitzel-Verbrennung abgedeckt.

Bei der Wanfrieder Anlage spekuliert die Bauernlobby auf garantierte Einnahmen durch den Anbau von Energiepflanzen und die öffentliche Hand bzw.der Steuerzahler soll über die Schwimmbad-, Schul- und Turnhallenbeheizung  den Gewinn  der privater Investoren absichern. Dabei wurde auch gleich eine Bürgschaft des Kreises für die Kredite der Bauernlobby angedacht.

Standortwettbewerb um Biogasanlage oder
"Wie sich die Kommunen
von der Bauernlobby vorführen lassen".
Ein Lehrstück, wie die Bauernlobby  um den 1. Kreisbeigeordneter Henry Thiele und seinem Vetter Kreisbauernführer Uwe Roth, bei dem Rennen um Subventionen agieren. Die SPD im WMK steht daneben und nickt die Vorlagen ab. Bgm. Otto Frank - auf die Unterstützung der FDP-Wähler bei der Bürgermeisterwahl in Wanfried hoffend, macht dazu in Wanfried alles möglich, um die Bauernlobby zu bedienen.

Vorgeschichte: Biogasanlage auf der Mülldeponie
  Ablehnung wegen des zu erwartenden Gestankes durch die Gemeinde Meißner.
 Da die Bauernlobby wegen des Wegfalles eines Teiles der Zuckerüben-Subventionen nach neuen Subventionen Ausschau hält, fällt Henry Thiele  der Anbau von Biomasse zur Vergärung in Biogasanlagen ein.

Man inzeniert einen Standort-Wettbewerb für eine Biogasanlage.
 13.Sept. 2005 erstes Zusammentreffen der Arbeitsgruppe Biogaswettbewerb
Wer sich das handschriftliche 1. Protokoll der Arbeitgruppe Biogaswettbewerb  vom 13. Sept. 2005 ansieht und analysiert, konnte auch schon das Ergebnis des Wettbewerbes voraussagen.

Nur wenige Kommetare zu bestimmten interessanten Stellen im Protokoll:

So wird im Vorfeld schon festgestellt, das Wanfried ein guter Standort wäre. Bei öffentlicher Wärmenutzung wäre eine große Sicherheit für den Betreiber vorhanden.
Michael Krämer und ich haben Mondpreise anstatt Marktpreise für die öffentliche Wärmenutzung durch die  Elisabeth-Selbert-Schule, die Turnhalle und das Wanfrieder Schwimmbad befürchtet, (Forumsbeiträge) was durchaus
berechtigtigt ist, wie im Nachhinein festgestellt werden kann.

Zur Frage von Herrn Thiele, ob der Bauernverband der in Frage kommenden Gemeinden die Biomasselieferung zusichern
könne und auch investieren würde, antwortete Herr Roth vom Kreisbauernverband: "Nur die Biomasse-Lieferung" wonach Herr Thiele sinngemäß den Satz mit:"wenn vom Kreis die Zusicherung der Kreditsicherung kommt." ergänzte. (In diesem Sinn - wenn auch nicht wörtlich - wurden die Äußerungen im Protokoll festgehalten. Spätestens hier wird dem Letzten klar, dass Herrn Thiele nicht das Wohl des Landkreises, sondern das Wohl der Bauernlobby im Auge hat. Daran sollte sich der Kreistag bei der Wahl des nächsten 1. Kreisbeigeordneten erinnern.
Auch dieses Thema, die Bürgschaft des Kreises für die Kredite der Großbauern, haben wir im Forum beleuchtet und
aus dem  entsprechenden Protokoll zitiert.

Das Wettbewerbsverfahren war eine LEX-Wanfried, was Fragestellung, Bewertung und Gewichtung angeht. Mit einer etwas anderer Fragestellung, Bewertung und Gewichtung, hätte auch locker Eschwege, Sontra, Berkatal oder Witzenhausen den Wettbewerb gewinnen können.

Die immer wieder zu hörende Mär, hier würden nur Energiepflanzen vergoren, wird in der Vorplanung schon widerlegt. Zu lesen ist. "Die Biogasanlage wird zur "überwiegenden" Verarbeitung von Enrgiepflanzen konzipiert. Es besteht aber die Möglichkeit der Mitverwertung von "Wirtschaftdünger" (die vornehme Umschreibung von Jauche oder Gülle) zur Prozess-Stabilisierung.
Mit anderen Worten, es wird ein Gülletank gebaut und die Gülle der landwirtschaftlichen Betriebe aus dem Werratal wird auch in der Biogasanlage eingesetzt. Wenn dann der ganze Vergärungsprozeß in Behältern mit Plastikplanen-Abdeckung von statten geht, sollten die Stadtverordneten nicht so "blauäugig" sein und der Bevölkerung erzählen, dass das ohne Gestank abgeht.
Interessant ist auch die Aussage, dass eine Abwärmetemperatur von 90° C industriell nicht nutzbar ist.
(Genau aus diesem Grund hatte ich das Abwärmekonzept einer Biogasanlage auf der Mülldeponie

schon im Vorfeld kritisiert.)
Wäre man Herrn Thiele gefolgt und hätte auf der Mülldeponie die Biogasanlage durchgezogen (Die Gemeinde Meißner hat sich wegen des Gestankes quergelegt.), wie wollte man dann mit einer Abwärmetemperatur von 90° das Sickerwasser verdampfen, denn diese Verdampfung des Sickerwassers war ja das Abwärmekonzept? Die Müllgebührenzahler hätten dann neben den Heizölkosten für die Verdampfung, auch noch für Abwärme der Biogasanlage gezahlt, die zum allergrößten Teil niemand verwenden konnte und mit der die Umwelt aufgeheizt worden wäre. Um 1 kg Wasser von 100° in 1 kg Dampf von 100° umzuwandeln, sind 2260 kJ Wärmeenergie nötig. Aber nicht auf dem Temperaturniveau der BHKW-Abwärme von max. 90°, sondern von weit über 100°.

Schwachsinnige Konzepte, mit einem einzigen Hintergrund, dem Reibach der Bauernlobby.

Am 10.Januar 06 geben Thiele und Brosey den Startschuß für den Wettbewerb.
Dazu müssen Fragebogen für die Gemeinden erstellt und verteilt werden.

Am 13.1.06 ist der Fragebogen bei der Stadt Wanfried eingegangen.

Am 23.01.06 hat der Magistrat - und am 27. Jan. haben die Fraktionsvorsitzenden
das Thema behandelt.

Am 17.02.06 wurde in der Stadtverordnetenversammlung grünes Licht
bzgl. des Bebaungsplanes und Änderung des Flächenutzungsplanes zu Gunsten
des Vorhabens der Bauernlobby und des E-Werks von Scharfenberg gegeben.

Aber schon am 27. Jan. 06 hat Wanfried offenbar den Wettbewerb gewonnen, denn an diesem Tag leiert das Ing. Büro Henke bereits beim RP die Änderung des Flächennutzungsplanes und den Bebauungsplan für den Bau der Biogasanlage mit 500 KW Leistung auf dem Grundstück v. Scharfenberg in Wanfried an.

Erst am 24. April 06 teilt aber der WMK der Stadt Wanfried mit, dass Wanfried
mit Eschwege, Sontra, Witzenhausen in die engere Wahl beim Standortwettbewerb kommt.


Am 20.6.06 wurde auf jeden Fall noch eine Veranstaltung in Niederhone durchgeführt, wo das Konzept der Stadt Eschwege für den Standort Klärwerk Niederhone vorgestellt wurde.

Ortsbeirat_Niederhone
Alle weiteren Daten dazu sind uninteressant, denn mit diesen Daten, läßt sich
eindeutig nachweisen, wie sich die SPD-Genossen von der Bauernlobby vorführen lassen.


Hier darf mit Fug und Recht behauptet werden, das der Wettbewerb unter den Gemeinden eine Farce war,
um zu Verschleiern, dass hier bestimmte Großbauern um die Bauernlobby und das Wanfrieder E-Werk den Plan Biogasanlage bereits in der Schublade hatten und der Wettbewerb nur dazu diente, Subventionen abzugreifen, die nicht fließen wenn ein Projekt bereits in der Planung ist.
Wenn dann der Landkreis (für die Elisabeth-Selbert-Schule) und die Stadt ( für das Schwimmbad und Feuerwehrgerätehaus)  keine Marktpreise sondern Mondpreise für die abgegebene Wärme zahlen, werden unsere Steuergelder für maßlos überhöhte Heizkosten von Schulräumen, Sporthalle, Schwimmbad und Feuerwehr-Gerätehaus aus dem Fenster hinaus geworfen, damit die Bilanz der Wanfrieder Bioenergie stimmt.

Vorgaben für eine aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger in unserem Raum sinnvoll zu betreibende Biogasanlage wären zum Beispiel, anstatt extra angebauter Biomasse, den Inhalt der Biotonnen und den im WMK anfallenden Klärschlamm (der nicht verbrannt werden muss) zu vergären.
Erstens muss man dann keine Höchstpreise für die Biomasse bezahlen, die sich an den maximal möglichen Erlösen der Landwirte für auf ihren Anbauflächen anbaubaren landwirtschaftlichen Produkten orientieren.
Zweitens entfällt der Transport der Biomasse aus den grünen Tonnen vom WMK nach Thüringen.
Drittens bleibt das Geld für die Kosten der Kompostierung incl. der Gewinne der Anlagen-betreiber in Oberdorla im WMK, bzw. kämen den Müllgebührenzahlern zugute.

Als Standort kämen Orte in Frage, an denen man auch im Sommer die Niedertemperatur-Abwärme sinnvoll nutzen kann und kurze einfache Wege für die zu verlegenden Rohrleitungen sich anbieten. Die Nähe zu Industriebetrieben, einem ganzjährig betriebenen Hallenbad, Krankenhaus, Altenheim, oder einem Gebiet mit einer größeren Anzahl Wohnblocks, wäre da sinnvoll. Schulen, die nur vormittags belegt sind, kaum warmes Brauchwasser benötigen und in der Heizperiode 7 Wochen - davon 3 Wochen im tiefsten Winter - Schulferien haben, gehören nicht unbedingt dazu.

Ebenso lassen sich Freibäder auf Grund des Temperaturniveaus, billiger mit direktdurchflossenen Sonnenkollektoren beheizen. In Wanfried, wo man billige Kunststoff-Kollektoren unterhalb des Schwimmbades installieren könnte, kann man sogar auf Pumpen und Regelung verzichten, d.h. von Fachleuten richtig berechnet, würde das Schwimmbadwasser von allein durch die Kollektoren zirkulieren und nicht einmal Betriebskosten verursachen.

Steht kein geeigneter Standort für eine sinnvolle Abwärmenutzung zur Verfügung, kann man auf eine Verstromung verzichten und das Biogas in umgerüsteten kommunalen Fahrzeugen und Nahverkehrsbussen nutzen, bzw. nach einer Aufbereitung ins Erdgasnetz einspeisen. Was da machbar und wirtschaftlich ist, kann aber nicht an dieser Stelle erörtert werden.

Hätten wir im WMK eine politische Mehrheit, die sich am Gemeinwohl orientiert, wäre das alles kein Problem.

Gelöschter Forumsbeitrag
Michael Krämer zum Wettbewerb der Kommunen um den Standort der Biogasanlage
Biogasanlage Allgemeinwohl oder Günstlingswirtschaft

Gelöschter Forumsbeitrag
Biogasanlage Wanfried,
oder wie man das Kind mit dem Bad ausschüttet.


Das Konzept, über erneuerbare Energien, bzw. über Biogasanlagen Strom zu erzeugen, wird vom Steuerzahler mit 8,70 bis 10,23 Cent / kwh gefördert. Diese Zuschüsse machen aber Biogasanlagen noch lange nicht wirtschaftlich, vor allem dann nicht, wenn keine organischen Abfälle – sondern extra angebaute Biomasse eingesetzt - und bezahlt werden muss – und dazu noch ein schlüssiges Abwärmekonzept fehlt.

Absolut widersinnig ist der Aufwand, die Äcker zu pflügen, für die Einsaat vorzubereiten, Biopflanzen auszusäen, mit Dünger und Pflanzenschutzmitteln zu behandeln, zu ernten und die Ernte dann teilweise von Harmutsachsen nach Wanfried zu transportieren.
In Wanfried wird die Biomasse in den Fermenter eingebracht und vergoren. Dabei wird schon ein großer Teil der Abwärme benötigt, um den Gärprozess in Gang zu halten. Nach dem Gärprozess muss die vergorene Biomasse wieder auf die Felder zurück -, und als Dünger ausgebracht werden.
Das gewonnene Methan-Gas wird dann mit Hilfe eines Blockheizkraftwerkes (Gasmotor + Generator) in Strom und Wärme umgewandelt. Berücksichtigt man die für den Gärprozess abgezweigte 30% Wärme nicht, stehen von den restlichen 70% der Energie die Hälfte als elektrischer Strom und die andere Hälfte als Wärme zur Verfügung.
Diese aufwändig - mit riesigem Kapitaleinsatz - erzeugte Wärme dann im Sommer im Freibad zu Niedrigsttemperatur-Wärme zu „verbraten“, bzw. Badewasser von 21°C auf 24 °C hochzuheizen, ist der eigentliche (mir fällt kein anderes Wort ein) „Schwachsinn“, denn genau der gleichen Effekt lässt sich mit billigen Kunststoff-Sonnenkollektoren (direktdurchflossen am Hang unterhalb des Freibades) ohne elektr. Energie -, bzw. mit geringem Kapitaleinsatz und minimalsten Betriebskosten erreichen.

Spätestens an diesem Punkt muss sich jeder die Frage stellen, geht es hier um alternative Energieerzeugung, oder geht es darum, bestimmten Landwirten einen auf Jahrzehnte vertraglich abgesicherten Absatzmarkt in der Nähe zu schaffen, wo sie die angelieferte Biomasse zu Höchstpreisen bezahlt bekommen.

Wärme für das Wanfrieder Schwimmbad von der Biogasanlage oder von der Sonne?

So könnten direkt durchflossene Schwimmbadkollektoren unterhalb des Wanfrieder Schwimmbades installiert sein.



27 Sonnen-Kollektoren a 3.7 m² = ca. 100 m² würden 7000 € kosten.
Für dieses Geld bekommt Wanfried gerade einmal 35 m Fernheizleitung.



Die 1500 m Fernheizleitung zur Schule, Turnhalle und Schwimmbad kosten allein 300.000 €
Die 1000 m zum Industriegebiet Aldi noch einmal 200.000 €

Bei Sonnenkollektoren ist die Energie kostenlos. Für die Wärme aus der Biogasanlage muß
die Stadt oder der Förderverein richtig Geld auf den Tisch legen.

Ein weiteres Plus wäre, eine Kollektoranlage am Hang unterhalb des Schwimmbades könnte
der Förderverein selbst montieren.

Home